Zoo Basel
Der Zoo Basel beherbergt über 10‘000 Tiere und 588 Arten (Stand 2023) auf einer Fläche von gerade einmal elf Hektar. Seit mehr als 150 Jahren präsentiert sich der «Zolli» als Einrichtung für Bildung, Forschung, Naturschutz und den Erhalt bedrohter Arten.
Doch seine Tiersammlung und seine Aktivitäten sprechen eine ganz andere Sprache, wie auch die Haltung seiner Gruppe Afrikanischer Elefanten zeigt.
Der Basler Zoo plant einen umfangreichen Ausbau bis 2050 (Zolli 2049). Die Anlage soll um zwei Areale erweitert werden (+ zwei Hektar) und symbolträchtige Arten wie Rundschwanzseekühe und Bären aufnehmen.
Die Elefanten von Basel
Trotz der beträchtlichen finanziellen Mittel, die 2017 für die Renovierung der Anlage Tembea ausgegeben wurden (etwa 28 Millionen Schweizer Franken), leben die Elefanten weiterhin in einem beengten und sterilen Areal mit wenig Vegetation und ohne jegliche Stimulation. Diese Umgebung kann ihre biologischen, räumlichen und kognitiven Grundbedürfnisse nicht annähernd befriedigen. Anstatt die Haltung der Elefanten zu hinterfragen, beteiligt sich der Zoo weiterhin an den europäischen Zucht- und Tieraustauschprogrammen und hält damit an einem System fest, das durch wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Erwartungen zunehmend in die Kritik gerät.
Der Zoo Basel beherbergt derzeit drei Afrikanische Savannenelefanten (Loxodonta africana):
- Tika: Weibchen, 13.07.07, Mutter von Kimana und Mali;
- Kimana: Weibchen, 20.04.20, Tochter von Tika und Abu (künstliche Befruchtung);
- Mali: Weibchen, 14.10.22, Tochter von Tika und Tooth.
Diese Elefantinnen kamen Ende Mai 2026 aus dem Zoo Wuppertal in Deutschland und ersetzten Rosy und Maya, die zwei letzten in Basel lebenden Elefantinnen, die im Frühjahr 2026 in zwei verschiedene Zoos in Frankreich verlegt wurden.
Hier ein kurzer Überblick über die jüngste Geschichte der Haltung von Elefanten im Zoo Basel
Geburt von Pambo, letzte erfolgreiche Geburt eines lebensfähigen Elefantenkalbes in Basel. Pambo starb 2013 im Zoo von Valencia (Spanien).
Ankunft von Yoga (in Botswana in freier Wildbahn geboren), der später in einen schwedischen Zoo verlegt wurde.
Rosy und Maya, die etwa 1995 geboren und in Botswana in freier Wildbahn gefangen wurden, kommen im Zoo Basel an. Sie sind Teil einer Kontroverse um das botswanische Reservat «Tuli». Dort wurden freilebende Elefanten gefangen und erschossen, um die als «zu hoch» erachtete Anzahl der Tiere zu reduzieren – ein äusserst brutales und für die Herden traumatisierendes Vorgehen. Während die gefangenen Tiere auf ihre Verschickung in Zoos auf der ganzen Welt warteten, wurden sie schwer misshandelt.
Ankunft und spätere Verlegung der Bullen Calimero und Jack im Rahmen des Zuchtprogramms. Erste Totgeburt für Heri (siehe unten).
Einschläferung von Tusker, einem Bullen, der 2021 im Rahmen des vom Basler Zoo durchgeführten Zuchtprogramms nach Basel gebracht worden war. Tusker litt an Tuberkulose, einer ansteckenden Krankheit. Obwohl der Zoo wusste, dass der Bulle in der Vergangenheit schon einmal daran erkrankt war, trennte er ihn nicht von den Weibchen im Gehege. Der Zoo liess sogar seine Paarung mit Heri zu, die gemäss den Richtlinien der EAZA das Alter für die Fortpflanzung überschritten hatte.
Der Zoo gibt bekannt, dass das Elefantenbaby im Endstadium von Heris Schwangerschaft im Mutterleib gestorben und Heris Zustand kritisch sei. Einige Wochen später teilt der Zoo mit, dass sich Heris Zustand stabilisiert habe und sich das Kalb ohne negative Folgen für die Mutter in eine «Steinfrucht» verwandelt habe.
Heri wird eingeschläfert, ohne dass jemals ein Autopsiebericht veröffentlicht wird. Die genaue Todesursache wird nie bekanntgegeben, aber es ist anzunehmen, dass Heri an den Folgen einer Infektion starb, verursacht durch den 18 Monate lang in ihrem Bauch verbliebenen Fötus.
Der Zoo teilt mit, dass sich Rosy und Maya, die zwei letzten Elefantinnen im Basler Zoo, nicht mehr vertragen würden, und begründet damit ihre Trennung.
Rosy und Maya werden in den Zoo Amnéville beziehungsweise den Wow Safari Peaugres in Frankreich umgesiedelt. Als Grund dafür gibt der Zoo Basel an, dass sie sich nicht mehr verstehen würden und ihre Verlegung im Namen des «Tierwohls» erfolge. In Wirklichkeit waren sie aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr für eine Teilnahme am Zuchtprogramm des Zoos geeignet.
Tika, Kimana und Mali werden aus dem Zoo Wuppertal in den Zoo Basel verlegt. Damit werden sie von den drei anderen in Wuppertal verbliebenen Elefanten getrennt, insbesondere von Sabie, Tikas Mutter, mit der sie ihr ganzes Leben lang zusammen waren. Der Zoo Wuppertal möchte sein Elefantengehege modernisieren und hat daher während der Bauarbeiten nicht genügend Platz für alle Tiere seiner bis dahin sechsköpfigen Elefantengruppe. Der Zoo Basel kündigt an, sein Elefantenzuchtprogramm fortsetzen zu wollen.
Artenschutz
Laut einer Studie der FFW konzentriert sich der Zoo hauptsächlich auf Arten, die für die öffentliche Präsentation und die Unterhaltung des Publikums von Interesse sind und vernachlässigt dabei Artenschutzprogramme und gefährdete Arten in situ. Annähernd 90 Prozent der in Basel lebenden Arten sind nicht vom Aussterben bedroht. Der Zolli beteiligt sich nur in sehr geringem Umfang an Auswilderungsversuchen, wobei er den Schwerpunkt auf Vogelarten, insbesondere den Waldrapp, legt. Zudem ist sein finanzieller Beitrag zu Artenschutzprogrammen in situ (im natürlichen Lebensraum der Arten) – der hauptsächlich über den Naturschutzfranken erfolgt – im Vergleich zu seinem Umsatz und den geplanten massiven Investitionen in seine Anlagen lächerlich niedrig.
Wissenschaft
Darüber hinaus beteiligt sich der Zoo nur sehr eingeschränkt an Grundlagenforschung. Zwar führt er, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Universität Neuenburg, Verhaltensforschung an Menschenaffen über den Ursprung der Sprache durch, ein Grossteil seiner Investitionen fliesst jedoch in Programme der angewandten Tierzuchtforschung, das heisst, Fortpflanzung, Management und Gesundheit von in Gefangenschaft lebenden Arten (Rosaflamingos, Somali-Wildesel, Zwergflusspferde, usw.). Dieses Vorgehen steht in eklatantem Widerspruch zu dem Image, das der Zoo vermitteln will, und zur Naturschutzbotschaft, die er propagiert. S0mit wirkt sie zunehmend wie ein reines Marketinginstrument.
Bildung
Der Zoo betont ausserdem seine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit in Fragen des Arterhalts und des Umweltschutzes. Tatsächlich ist Bildung jedoch kein vorrangiges Ziel der wissenschaftlich geführten Zoos in der Schweiz, und die von ihnen vermittelten Botschaften sind oft widersprüchlich und einseitig – der Zolli bildet da keine Ausnahme. Die Tiere werden in erster Linie als Schauobjekte zur Unterhaltung in einem künstlichen Umfeld präsentiert, das Erkenntnisse über ihre Bedürfnisse und ihr natürliches Verhalten ebenso wenig zulässt wie eine Einschätzung der Gefahren, denen sie in ihren natürlichen Lebensräumen ausgesetzt sind.
Verglichen mit dem institutionellen Diskurs lässt die in Zoos vermittelte informelle Bildung zu wünschen übrig. Die Hinweistafeln enthalten kurze, nur selten aktualisierte, stark vereinfachende Texte, auf denen Themen wie der Artenschutz und die ethischen Aspekte der Gefangenschaft nur sehr oberflächlich behandelt werden. Im Rahmen seines Sensibilisierungsprogramms bietet der Zoo Basel kommentierte Fütterungen und ehrenamtliche Tätigkeiten im Kinderzoo in Form von Workshops über die tägliche Pflege der Anlage an. Was Besucherinnen und Besucher im Zolli erleben, hat mit dem wirklichen Leben der Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen nichts zu tun.
Zwar ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit unerlässlich, doch dieser Auftrag lässt sich auch erfüllen, ohne die Tiere unter Missachtung ihrer Grundbedürfnisse gefangen zu halten.